Imad Karim: Der Islam kennt keine Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus

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Zum Thema „Gewaltbereiter Islamismus“ fand am 26. April eine Anhörung im 1. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages statt, auch bekannt als „Amri-Untersuchungsauschuss“. Dieser soll seit Anfang März klären, welche Lehren aus dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz gezogen werden können. Insbesondere ging es dabei um die Frage, wie der Islamismus vom Islam abgegrenzt und einer Radikalisierung junger Menschen entgegengewirkt werden kann. Ramin Peymani berichtet.

Der libanesisch-stämmige Regisseur und freie Filmemacher Imad Karim war als Sachverständiger geladen worden, um seine fachkundige Einschätzung zum Islamismusbegriff abzugeben. Insgesamt stellten sich acht Experten den Fragen der Ausschussmitglieder. Wohltuend war, dass die Vortragenden bis auf Sindyan Quasem, der in der Vergangenheit auch schon durch sein einseitiges Wirken bei der NGO “ufuq” aufgefallen war, ohne Schuldzuweisungen an die Gesellschaft und Bagatellisierungs- oder Relativierungsversuche auskamen.

Es bestand bei den übrigen Sachverständigen in einer Reihe von Punkten weitgehend Einigkeit, wobei nur Imad Karim wirklich authentisch Einblick in den muslimischen Kulturkreis geben konnte, in dem er nicht nur sozialisiert worden ist, sondern mehr als die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Er berichtete aus dem Innenleben des Islams und erläuterte, dass das im Westen als Hauptmerkmal des Islamismus geltende Bestreben, eine allein religiös legitimierte Gesellschaft zu schaffen, auf den Islam insgesamt zutreffe.

Hier finden Sie den Wortlaut von Imad Karims Stellungnahme:

Als im islamischen Kulturkreis geborener und sozialisierter Mensch unterscheide ich nicht zwischen Islam und Islamismus, denn diese Begriffe existieren im Arabischen, meiner Muttersprache nicht.

Zu dem in Europa seit Ende der Achtziger Jahren verbreiteten Begriff Islamismus, möchte ich anmerken, dass iranische Studenten in Europa diesen nach der Machtergreifung der Mullahs kreiert haben und in der Sozialwissenschaft zementieren konnten. Schnell hat die Moslembruderschaft in Ägypten den Begriff übernommen und im Arabischen unter der „Idiomatik“ eingeführt. Aus dem Wort leitet sich jedoch kein Hauptwort ab, sondern ein Adverb oder im besten Fall ein Adjektiv.

Islamismus ist eine „identische Definition des Selbstbildes des Islam“

Spricht man vom „Islamismus“ so bezeichnet man all jene Ausprägungen, die das Streben, im Namen Allahs eine allein religiös legitimierte Gesellschafts- und Staatsordnung zu errichten, eint. Islamismus richtet sich gegen die Grundsätze der Trennung von Staat und Religion, gegen die Prinzipien von Individualität, Pluralismus und Volkssouveränität, gegen Menschenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter. Aber das ist im Grunde nichts anderes als den Islam zu beschreiben, und zwar jenen Islam, der seit 1400 Jahren praktiziert wird. Islamismus ist also eine identische Definition des Selbstbildes des Islams, beruhend auf den eigenen Erfahrungswerten.

Islamismus = Dauerpersilschein

Bei näherer Betrachtung stellt man – natürlich nur, wenn man will – fest, dass der Islamismus quasi dazu da ist, dem Islam einen „Dauerpersilschein“ auszustellen.

Das ist ein Zusammenspiel, dessen Tragweite die humanistischen und aufgeklärten Gesellschaften im Westen nicht überschauen. Der böse Islamismus wird verteufelt, aber gleichzeitig erfreut sich der Islam wachsender Begeisterung durch Politiker und Medien.

Wenn ein islamisch motivierter Terroranschlag stattfindet, springt der Islamismus dafür ein, um den Islam reinzuwaschen. Nicht Muslime oder ihre Religion sind dafür verantwortlich, sondern dieser ominöse Islamismus, der den Islam für seine Zwecke missbraucht.

Selbstreflexion – Mangelware im Islam

Unser Hauptproblem als Muslime ist die Unfähigkeit, endlich eine Selbstreflektion zu starten und die Rolle Mohammads zu hinterfragen oder mindestens im historischen Kontext zu sehen und uns von ihm, also vom historischen Mohammad, zu verabschieden.

Das Dilemma der Muslime ist, dass sie in Mohammad ein Vorbild sehen. Mohammad aber war leider kein pazifistisch-religiöser Verkünder wie Jesus oder Buddha, sondern Machthaber eines Staates, der Angriffskriege führte, Karawanen ausrauben ließ, Attentate auf Kritiker in Auftrag gab, Sklaven hielt und auch als Richter fungierte.

Wie können Sie von mir erwarten, dass ich zwischen Islamismus und Islam unterscheide, wenn ich und Milliarden meiner Glaubensbrüder und -schwestern in den Schulen, Familien und Moscheen gelernt haben, dass wir darauf stolz sein sollen, dass Mohammad seine Kritiker töten ließ und dass er dafür sorgte, viele Juden (Banu Quraiza) zu töten?

Islamisten können sich auf den Propheten berufen, weil dieser im Prinzip nicht anders gehandelt hat als die heutigen Islamisten. Auch Henryk M. Broder schreibt in seinem Buch „Hurra, wir kapitulieren“: der Unterschied zwischen Islam und Islamismus sei so, wie der zwischen Alkohol und Alkoholismus. Die vom Westen erfundene Differenzierung zwischen Islam und Islamismus ist politisch gewollt und Folge der hohen Abhängigkeit von Öl produzierenden Ländern und deren finanzieller Macht.

Wenn saudische Staatsmänner auf Staatsbesuch in Deutschland sind, vermeiden ihre deutschen Kollegen, sie mit Hinweisen zur misslichen Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien zu belästigen. Ganz anders z.B. bei chinesischen Politikern.

Ich meine, man kann vom Ausverkauf von Werten der Aufklärung sprechen. Natürlich ist nicht jeder Moslem ein Islamist und das ist nicht die Frage. Für mich ist relevant, ob friedliche Muslime in der Lage sind, radikalisierte Glaubensbrüder in Schach zu halten oder nicht.

Schauen wir uns die traurige Dynamik im irakischen Mossul an. 1100 Isis-Fanatiker haben über zwei Millionen friedliche Muslime paralisiert und sie sogar zu Mittätern bei der Ausrottung der Christen in der Stadt machen können.

Ich unterscheide zwischen gläubigen Muslimen und Kulturmuslimen

Bei den gläubigen Muslimen wiederum unterscheide ich zwischen: a) permanent friedlichen Muslimen, deren Friedfertigkeit auf ein instinktives Bedürfnis, mit ihren nichtmuslimischen Mitmenschen in einem menschenfreundlichen und humanen Kontext friedlich zu leben, zurückzuführen ist.

b) ebenfalls permanent friedlichen Muslimen, deren Friedfertigkeit sich aus der Tatsache ableitet, dass diese Menschen in der eigenen Religion nicht bewandert sind und daher negativen Einflüssen dieser Religion aus Unwissenheit zum Glück nicht unterstehen.

c) Muslimen, die den Andersdenkenden bzw. den Andersgläubigen als minderwertige Zeitgenossen sehen, die im Gegensatz zu den Muslimen nicht im Besitz der göttlichen Gewissheit sind. Diese Muslime dulden die Anderen, solange sie hoffen können, sie quasi für den Islam gewinnen zu können, würden aber nicht unbedingt restriktive, vielleicht mit Gewalt verbundene Mittel zum Erreichen ihres Zieles einsetzen.

d) Das sind jene Muslime, die sich berufen fühlen, den Islam mit allen Mitteln überall auf diesem Planeten zu verbreiten. Für sie sind andere nicht ebenbürtig und sind entweder Götzenanbeter, die man auch physisch liquidieren darf, wenn sie den Islam nicht annehmen wollen, oder „Leute des Buches“, also Juden, Christen, Saeba und Teile der Anhängerschaft Zarathustras, die nur durch die Entrichtung einer Schutz-/Kopfsteuer in einer verbal erniedrigten Form geduldet werden können.

Kulturmuslime sind jene Zeitgenossen, die die ablehnende Haltung der eigenen Religion gegenüber Andersdenkenden kennen und diese bewusst ablehnen, da sie im evolutionären Sinn, mit den Anderen den Konsens suchen und umzusetzen versuchen.

Ich zähle meine Eltern z.B. zu den Kulturmuslimen, die als Agnostiker lebten und starben. Gab es Familienfeste, so mussten wir alle, auch die Kinder vor dem gemeinsamen Essen bei religiösen Anlässen, den Juden und den Christen Tod und Verderben wünschen. Ein aufschlussreiches Video darüber sehen Sie hier:

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Ein fataler Fehler, der sich wiederholt

Dies ist Teil der Sozialisierung. Meine Eltern dürften sich nicht „outen“ und ich musste sie als Muslime bestatten. Suchen wir nach Lösungen, müssen wir eine ehrliche Debatte führen und nicht die Fehler wiederholen, die westliche Politiker in Nahen Osten seit 70 Jahren immer wieder machen, nämlich den Dialog mit den progressiven Kräften innerhalb der dortigen Gesellschaften zu meiden. Das war und ist ein fataler Fehler, den man leider hier mit den liberalen Muslimen wiederholt.

Die Gesellschaft und vor allem der Staat in Deutschland muss sich der Bewegung der moderaten Muslime zuwenden und widmen. Persönlichkeiten wie Khorchide, Mansour, Ates und Ourghi können die Brücke bauen und deshalb dürfen sie nicht weiterhin als Alibifunktion für den Staat dienen.

Der Staat und die Gesellschaft müssen diese Menschen unbedingt als ihre Ansprechpartner anerkennen und sich von den Islamverbänden loslösen. Der neue Dialogkolonialismus darf nicht weiter aufrecht erhalten bleiben, im Interesse Aller!

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